Pressemitteilung

21.08.2014

Schüler- und Juniorenfirmen in der Region Neckar-Alb

Ich bin dann mal Unternehmer

Schüler- und Juniorenfirmen werden immer wichtiger bei der Berufs- und Studienorientierung von Jugendlichen. Der unternehmerische Probelauf bereitet Schülerinnen und Schüler auf das Berufsleben vor. Nach IHK-Informationen gibt es mittlerweile über 20 solcher Firmen in der Region Neckar-Alb.

Milchverkauf auf dem Pausenhof, Cateringservice aus der Schulmensa oder Holzspielzeug aus dem Werkraum: Die Geschäftsideen sind vielfältig. Schüler- und Juniorenfirmen gehören in vielen Schulen längst zum Alltag. Sie treiben realen Handel, produzieren, kalkulieren und vertreiben Produkte oder Dienstleistungen und lassen Schüler in die Rolle von Unternehmern schlüpfen. Das hat Folgen. Die praktische Arbeit in der eigenen Firma macht es Jugendlichen deutlich leichter, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und sich ökonomisches Wissen anzueignen. „Wer als Schüler in einer Schüler- oder Juniorenfirma aktiv war, bringt auf jeden Fall ein kaufmännisches Grundwissen mit“, sagt Ida Willumeit, Leiterin „Kinder – Jugend – Wissen“ bei der IHK Reutlingen. Dass dabei ganz nebenbei auch klassischer Unterrichtsstoff angewendet und geübt wird, ist aus Sicht der Expertin nur eine der äußert positiven Nebenwirkungen.

Sämtliche Aufgaben der Unternehmensleitung
In der Schülerfirma erfahren Jugendliche auch wie es ist, selbst Chef zu sein, Entscheidungen zu treffen und andere zu führen“, so Ida Willumeit, Themen, die unbedingt auf den Stundenplan gehören. „Nach unserer Erfahrung tun sich Schüler im Bewerbungsgespräch deutlich leichter, wenn sie den Perspektivenwechsel schon mal geübt haben und verstehen, worauf Chefs bei der Bewerberauswahl achten“, sagt Willumeit. Vor allem so genannte „Juniorfirmen“ des Instituts für Deutsche Wirtschaft führen Jugendliche gezielt an sämtliche Aufgaben der Unternehmensleitung und Umsetzung heran. Genau 132 Juniorfirmen waren in Baden-Württemberg im vergangenen Schuljahr aktiv. Insgesamt erreichte das Projekt fast 1.200 Schülerinnen und Schüler im Lande. Ein besonders erfolgreiches Beispiel liefert die Walter-Erbe-Realschule in Tübingen mit der mehrfach ausgezeichneten Juniorenfirma „Schüler für Senioren“ unter der Leitung von Eva Pfeffer. Erst vor kurzem eröffnete das Unternehmen sogar ein eigenes Internetcafé im Seniorenheim.

Neue Herausforderungen
Der Telefonanruf eines Kunden, die Abstimmung mit Klassenkameraden, der Abgabetermin für die Kostenkalkulation – oft sind Jugendliche in der Schülerfirma mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert. Das fördert auch soziale und personale Fähigkeiten. Pädagogen sprechen vom „Ernstcharakter der Realität“, wenn Schüler die Übungszone verlassen und erste Erfahrungen im echten Leben sammeln. „Viele Jugendliche, die verantwortungsvolle Funktionen in einer Schülerfirma übernommen haben, gewinnen deutlich an Selbstbewusstsein“, berichtet Ida Willumeit. „Mangelnde Ausbildungsreife? – In den meisten Juniorfirmen ist das kein Thema!“ Die IHK Reutlingen bietet auch im kommenden Schuljahr offene Seminare für Schülerfirmen an.